Konzert mit Musik für Barock-Cello

Am 21.11.2020 hat Ludwig Frankmar in der Kirche St. Suitbertus gespielt. Wegen der Corona-Einschränkungen waren keine Zuhörer in der Kirche erlaubt. Aber man konnte das Konzert im Livestream hören. Video anschauen

Hinweise zum Programm:

Johann Sebastian Bach (1685-1750), Suite Nr. 4, BWV 1010
aus ‘6 Suites à Violoncello solo senza basso’, um 1720
Preludium–Allemande–Courante–Sarabande–Bourree I und II–Gigue

Giovanni Bassano um 1550-1617
Zwei Ricercate aus ‘Ricercate Passagi et Cadentie’, Venedig 1585


Johann Sebastian Bach
Suite Nr. 1, BWV 1007
Preludium–Allemande–Courante–Sarabande–Menuet I und II–Gigue
aus ‘6 Suites à Violoncello solo senza basso’


Giovanni Bassano
Zwei Ricercate aus ‘Ricercate Passagi et Cadentie’


Informationen zum Programm

In der späten Renaissance fingen venezianische Musiker an mehrstimmig angelegte Musik auf Soloinstrumentalstimmen zu reduzieren. Es handelte sich um 'Ricercate' - Sätze im präfugalen Stil - von den Zeitgenossen wohl eher als eine ornamentierte Gregorianik aufgefasst. Ein Höhepunkt dieser Musikform wurde 1585 mit den 8 Ricercate von Giovanni Bassano erreicht. Bassano war einer der großen Meistern der späten Renaissance. Ab 1576 war er an der Markusdom tätig, u.a. als Zinkspieler. Dort kam er in Kontakt mit Musikern wie Girolamo Dalla Casa, Giovanni Gabrieli und möglicherweise auch mit Heinrich Schütz. 1601, nach dem Tod von Dalla Casa, wurde er dessen Nachfolger als Kapellmeister von San Marco.

In Johann Sebastian Bachs um 1720 entstandene Solowerke für Streicher kommen vielfältige Einflüsse und Stilarten des Barock zum Ausdruck: freie Präludien, französische Ouvertüren, Fugen, Toccaten und diverse Tanzformen im italienischen und französischen Stil. Bach hat vermutlich diese Sammlung in Weimar um 1715 angefangen zu komponieren und erst 10 Jahre später in Leipzig abgeschlossen. Die konkrete Feststellung des Instrumentariums ist heute schwer nachzuvollziehen, da sich in dieser Zeit die Gruppe des "kleinen Bassinstruments" veränderte und Bach häufig verschiedene Violoncelli gleichzeitig einsetzte.

Ludwig Frankmar (*1960) war in seiner Heimatstadt Malmö Schüler von Guido Vecchi, und war als Orchestermusiker an der Barcelona Oper und als Solocellist der Göteborger Oper tätig, sowie, nach Studien bei Thomas Demenga an der Musik-Akademie Basel, als Solocellist der Camerata Bern. Als er 1995 den Orchesterberuf verließ beschäftigte er sich zuerst v.a. mit zeitgenößischer Musik. Kontakte und Zusammenarbeit mit Kirchenmusikern führten ihn zur Alten Musik und zur historischen Aufführungspraxis. Es folgte ein Barockmusikstudium an der Sweelinckkonservatorium Amsterdam. Neben Solokonzerten ist er auch Mitglied der Ensemble der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in Berlin-Lankwitz. Er spielt ein fünfsaitiges Barockcello, gebaut von Louis Guersan (Paris, 1756).



© Dieter Leibold 2020